Qais – vom Zirkus zum Deutschunterricht

Gudrun Wiegand

Mein Name ist Gudrun Wiegand und seit Anfang 2015, als die ersten Geflüchteten im ehemaligen Gasthaus in Brünning ankamen, boten Kollegen und ich, als pensionierte Grundschullehrerin, zweimal die Woche, je etwa eineinhalb Stunden, Deutsch-Unterricht an.

Im Herbst 2016 war der Andrang von Neuankömmlingen besonders groß. Viele mussten sich erst in der neuen Umgebung zurechtfinden. Angebote, ihnen dies zu erleichtern, gab es immer wieder. So wurden uns Anfang Oktober Freikarten für eine Zirkusvorstellung in Traunstein angeboten. Ich nahm drei junge Afghanen im Auto mit – und so lernte ich Quais kennen.

Er setzte sich auf den Beifahrersitz, schaute sich interessiert die Gegend an und erzählte, auf Englisch. Er sei so froh, dass er jetzt in Sicherheit sei. Als ich ihn fragte, ob er in der Schule Englisch gelernt habe, verneinte er. „Nein, ich war nur ganz kurz in der Schule. Mein Vater hat zuletzt ein Geschäft in Kabul gehabt. Wir haben Hygieneartikel, Kosmetik, Waschmittel verkauft. Da kamen Amerikaner, Pakistani und viele, die andere Sprachen gesprochen haben. Da habe ich Englisch, Dari,Farsi…gelernt. Oft war ich allein im Geschäft, schon als Kind. Da musste ich sprechen. Und so werde ich auch Deutsch lernen. Ich trau mir das zu und ich will hier auch arbeiten und dann eine Wohnung finden…“ Und er sprudelte und war voller Euphorie und Energie. „Wenn wir jetzt hier in Frieden leben können, dann wollen wir auch etwas zurückgeben, Danke sagen mit unserem Einsatz. Wir wollen uns doch einbringen in diese Gesellschaft!“ Ich war beeindruckt. So dezidiert hatte das noch kaum einer meiner Schüler gesagt. Die meisten waren unendlich dankbar, dass sie nach Jahren Krieg, grausamen Erfahrungen, Flucht und großer Ferne von ihrer Familie ein friedliches Umfeld und Hilfe bekommen hatten. Sie wollten sich integrieren, Deutsch lernen, arbeiten. Aber die meisten brauchten erst eine gewisse Zeit, um hier anzukommen, um das Erlebte zu verkraften und Energie für Neues aufzubauen.

Quais wollte sofort anfangen. Aber so einfach war es nicht. Zuerst musste er eben doch Deutsch lernen. Und er lernte schnell. Er erfasste schnell Klang und Rhythmus der Sprache, verstand in kürzester Zeit und traute sich, zu sprechen. Nicht so einfach war es für ihn, lesen und schreiben zu lernen – er hatte ja nur kurz eine Schule besucht. Da kam ihm der große Glücksfall entgegen, die Familie Kern beim Weihnachtsmarkt in Traunstein näher kennenzulernen. Sie nahm ihn unter ihre Fittiche. Aber es ist eben typisch für ihn, dass er sich freiwillig für diese Aufgabe am Stand gemeldet hatte. Er war bereit, sich zu engagieren. Seither betreut die Familie ihn wie ein Patenkind, half Quais beim Deutschlernen, öffnete ihm den Weg zum THW und unterstützte ihn bei der Arbeitssuche.

So kam es, dass ich ihn nur kurz im Unterricht hatte. Aber ich sehe und erlebe ihn immer wieder als hilfsbereiten, interessierten und verantwortungsbewussten jungen Mann, der uns vom Helferkreis unterstützt, regelmäßig übersetzt, ob vor großem Forum beim Cafe International oder wenn ein anderer Geflüchteter Hilfe braucht, sich nicht ausdrücken kann oder nicht versteht – Quais ist zur Stelle. Er übersetzt und berät. Seine Vielsprachigkeit ist ihm dabei von großem Nutzen. Inzwischen versteht er auch Kurdisch und Arabisch, nicht gut, aber es reicht, um sich mit anderen Geflüchteten aus anderen Nationen zu verständigen. Vor allem vermittelt er auch immer sein Credo: Wir sollten dankbar sein und uns in dieses Land einbringen.

Wir selbst sollten auch dankbar sein für solche Menschen. Sie bereichern uns menschlich und wohl auch vom wirtschaftlichen Standpunkt. Und wenn sie vielleicht eines Tages in ihr hoffentlich einmal befriedetes Land zurückkehren wollen, so werden sie in ihrer Zeit hier in Deutschland so viel gelernt haben, dass sie auch ihrem Land helfen können. Entwicklungs- und Aufbauhilfe konkret für ein geschundenes Land!

Ich wünsche Quais, dass er hier weiterhin die Anerkennung (auch amtlich!), die Freunde bekommt, die er sich erhofft. Auch wünsche ich ihm von Herzen, dass die dunklen Schatten, die manchmal über sein Gesicht ziehen, wenn ihn seine private Geschichte einholt, dass diese Traurigkeit sich aufhellt und er immer öfter so lachen und strahlen kann.

 

Maria – es tut mir aufrichtig leid

„Respektierst du Frauen?“, hat mich neulich erst in der Arbeit bei Bosch Siemens in Traunreut eine Kollegin gefragt. „Warum fragst du mich das? Hast du den Eindruck ich habe keinen Respekt für dich?“, entgegnete ich etwas verdutzt. „Doch du schon. Aber bei uns gabs letztens einen Praktikanten aus Afghanistan der konnte es gar nicht leiden wenn die Chefin eine Frau ist und ihm sagt was er machen soll. Das ging im so gegen den Strich, dass er am Ende das Handtuch geworfen hat und aufgehört hat“, erklärte sie mir. „Du bist anders als andere, warum?“, fügte sie dann hinzu. „Keine Ahnung ich bin einfach so. Respekt für Frauen ist der Normalzustand für mich.“ Auch meine Religion verlangt dass ich Frauen, und meine Mutter im Besonderen, respektiere.

Ich kann mich noch gut an die vielen Weisheiten von meinem Opa erinnern. Von klein an hat er mir beigebracht, dass Frauen wie Blumen sind. Umso besser man sie behandelt und versorgt desto glücklicher sind sie und umso mehr machen sie auch für dich. Genau wie eine Blume, die man nicht mit Wasser giesst irgendwann verwelkt, so leidet am Ende auch eine Frau wenn man sie schlecht behandelt. „Frauen musst du mit Blumen, Schokolade, Geschenke oder Einladungen ’schlagen‘, aber nicht mit den Händen“, hat mir mein Opa immer und immer wieder eingetrichtert. Seine Worte beeinflussen mich noch heute sehr. Um ehrlich zu sein ist das in meinem Land aber genauso wenig eine Selbstverständlichkeit wie anderswo.

Es hat mich in Deutschland immer wieder irritiert, dass wir als Flüchtling mehrmals eine Lektion oder Unterricht im Verhalten zwischen Männer und Frauen bekommen haben. „Frauen tragen im Sommer wenig Kleidung, dass heisst aber nicht ihr könnt euch einfach an sie ranmachen,“ wurde uns in einem der vielen Aufklärungskurse vermittelt. Um ehrlich zu sein hat es mich tatsächlich teilweise verletzt dass wir immer wieder diesen Belehrungen unterzogen wurden. Bei mir kam das so an, als würde man pauschal davon ausgehen, dass alle Flüchtlinge sich wie wilde Tiere verhalten. Ich denke auch das schäbiges Verhalten gegenüber Frauen so wie Sexualverbrechen wenig mit Kultur, sondern vielmehr mit der Persönlichkeit eines Mannes zu tun haben. Aber wer weiss vielleicht haben manche männliche Flüchtlinge diese Belehrung wirklich nötig wie die Vergewaltigung und Ermordung von Maria zeigt.

In Worten kann ich nicht beschreiben wie unendlich leid es mir für Maria und ihre Familie tut. Mir ist klar wie wenig unsere Worte ihrer Familie am Ende wahrscheinlich bedeuten. Trotzdem ist es mir wichtig sie wissen zu lassen, dass ich dieses Verbrechen genauso verdamme wie die Deutschen. Nicht alle Afghanen sind so. Die Trauerfeier von Afghanen in Freiburg war keine Show sondern Ernst gemeint, da bin ich mir sicher.

Meiner Meinung nach sollten genau diese Verbrechter ohne Zögerung zurück geschickt werden. Die Deutschen haben uns letzten Herbst nach monatelanger Strapazen mit Blumen und einem herzlichen Willkommen in ihrer Mitte empfangen. Sie haben ihre Türen zu unserem Schutz und unserer Sicherheit geöffnet und uns in so vielen Belangen geholfen. Es ist mir unbegreiflich wie der 17-jaehrige Afghane mit einer so grausamen Tat auf die grosszügige Hilfe antworten konnte. Wer in einem anderen Land Schutz und Sicherheit sucht und dann die körperliche Unversehrtheit einer anderen Person verletzt, hat in meinen Augen keinen Schutz verdient, ganz egal was ihm in seinem Land blüht. Sie machen nicht nur den Deutschen das Leben schwer, sondern zerstören den Frieden und das Vertrauen zwischen Flüchtlingen und ihren Gastgebern tagtäglich. Diese Menschen müssen zurück geschickt werden ohne wenn und aber!

Das Kennenlernen von Qais motivierte mich zum Engagement mit Flüchtlingen

Christl Gromotka

Ich bin Christl Gromotka, die Projektmanagerin für Unlimited Partnerships Projekte in Uganda. Qais habe ich als neues Vereinsmitglied im Dezember 2015 kennengelernt. Als mich die Nachricht von Rosi erreichte, dass uns beim Verkauf am Christkindlmarkt 2015 Flüchtlinge helfen wollen, war ich im ersten Moment etwas irritiert. Wie soll das denn gehen, als erstes dachte ich an die Sprachprobleme, die jungen Burschen waren noch nicht lange in Deutschland. Wie sollten wir uns verständigen, etwa in Englisch auf einem bayerischen, von Brauchtum geprägten Markt? Doch als Rosi mit Qais und Havras in der Hütte ankam, war das Eis schnell gebrochen. Qais erzählte mit ein paar deutschen Wörtern und auf Englisch, dass er bereits seinem Vater in einem Shop beim Verkauf geholfen hat und quasi beste Verkaufserfahrungen hat. Das entlockte mir ein Lächeln, weil er wirklich keine Scheu zeigte, Kaufinteressierte zu bedienen. Havras konzentrierte sich auf das Verpacken, da muss man nicht so viel sprechen, denn das fiel ihm doch ziemlich schwer. Von Havras sah ich dann erstmals auch Fotos von der Flucht. In einem kleinen Rucksack hatte er seine Habseligkeiten verstaut und stapfte zu Fuss durch Niemandsland, ich glaube es war Bulgarien. Havras besuchte ab Mittag einen Deutschkurs in Traunstein und so kam er jeden Tag vor Öffnung des Marktes zu mir an die Hütte und half mir die schweren Fensterläden hochzustemmen. Nach Kursende war er wieder pünktlich da und half beim Verkauf. Rosi brachte am Nachmittag Qais mit und irgendwie kam immer ein Gespräch in Gang. So erzählte Qais, dass ihm Weihnachten nicht unbekannt sei, weil im Shop in Afganistan viele Amerikaner eingekauft haben und dass es auch beleuchtete Weihnachtsbäume für die Amis gab. Als er dann auch noch erwähnte, dass er keine Schule besucht habe und damit auch keinerlei Zeugnisse vorlegen kann,  tat er mir schon richtig leid. Wie will er denn das hier in Deutschland schaffen, wo jeder für alles qualifiziert sein muss, dachte ich in dem Moment. Was war das für eine Überraschung, als wir im Oktober 2016 erfahren haben, dass er bei Bosch-Siemens als Monteur arbeitet. Bei unserem Treffen im November 2016 mit Rosi in einem Café in Traunstein um Vereinsarbeit von Unlimited Partnership zu besprechen, überzeugte Qais mit seinen schnell erworbenen Deutschkenntnissen – einfach genial.

Mister Max oder Papa Max mit unseren Syrern beim bayerischen Abendessen

Seit im Januar 2016 in unserem Dorf eine große Gruppe junger Männer, alle zwischen 20 und 25 Jahren, aus Syrien einquartiert wurde, ist klar, dass Berührungsängste mit Flüchtlingen nur durch persönliche Kontakte abgebaut werden können. Unser Helferkreis kümmert sich um den reibungslosen Ablauf der Termine bei den Ämtern, aber ganz wichtig sind die privaten Kontakte. Alle haben ihre Familien zurückgelassen, haben Probleme mit der Verständigung, sind auf sich alleine gestellt und sollen sich in einer völlig anderen Kultur zurechtfinden. Da sich in den Helferkreisen überwiegend Frauen engagieren, genießen Jewan, Osama und Kheder vor allem die Zuwendung von meinem Mann Max. „Mister Max“ oder manchmal auch Papa Max kümmert sich um das kaputte Fahrrad, begleitet sie zu extra Terminen beim Jobcenter oder fungiert als Dolmetscher beim Landratsamt, sucht gebrauchte Möbel und sonstige praktischen Dinge, aber vor allem, Max spricht nur Deutsch mit ihnen, egal ob sie alles verstehen. Mein Mann sagt immer, der Klang der Sprache muss ins Ohr und wer arabisch sprechen kann, kann auch ganz leicht andere Sprachen lernen. Im Gegenzug helfen die drei bei verschiedenen Arbeiten in Haus und Garten. Vor allem genießen sie anschließend das gemeinsame, bayerische Essen und das geht auch ohne Schweinefleisch. So kommt man miteinander ins Gespräch, erzählt von Familienfeiern und von unseren großen christlichen Festtagen. Als im Sommer das Ramadanende in Sicht war, beschlossen wir, dieses islamische Fest mit einer Grillparty bei uns im Garten zu begehen. Dass unsere drei syrischen Jungs gleich anfragten, ob sie noch einen Freund mitbringen können, zeigte uns, dass wir zu einer Ersatzfamilie geworden sind. Der Kreis schließt sich, heuer haben Osama und Jewan beim Christkindlmarkt geholfen. Osama hat sich seinen bayerischen Janker angezogen, den er beim Gebrauchtkleidermarkt erstanden hat, denn er wollte unbedingt ein bisschen bayerisch aussehen, dafür hat er erbärmlich gefroren, aber durchgehalten. Keiner will mehr in die Ungewissheit dieser kriegsgeschüttelten Länder zurück, sondern hier in Deutschland eine Zukunft aufbauen, für die es sich lohnt hart zu lernen und zu arbeiten.

8 Gründe warum wir Initiativen wie die von Qais Yaqubis Blog unterstützen müssen


Weil Qais gerade mal wieder beim THW ist, nutze ich die Gelegenheit auf die Frage einzugehen, was mich dazu bewegt hat seine Initiative so gut wie möglich zu unterstützen:

  1. Mehr Dialog, mehr Verständnis- bessere Integration: In der Entwicklungszusammenarbeit, und ich sehe da in der Flüchtlingshilfe keine Ausnahme, mangelt es zu oft an Kommunikation und Dialog zwischen denen den man helfen möchte und den Helfern; zu oft konzipieren wir tolle Ideen und Projekte ohne vorher diejenigen die davon profitieren sollen zu fragen was sie davon halten; in Qais Blog sehe ich die Möglichkeit anderen die Chance zu geben durch einen Flüchtling selbst zu lernen was bei der Integration hilft, was nicht und wie wir dabei am besten unterstützen können.
  1. Flüchtlinge
    Übersetzung: „Egal wie gebildet, talentiert, reich oder cool du denkst zu sein, am Ende zählt einzig und allein wie du andere Menschen behandelst.“

    Flüchtlinge nicht als Herausforderung sehen, sondern als Teil der Lösung: Die Betroffenen von Herausforderungen, in diesem Fall Flüchtlinge, sollten in die Entwicklung von Lösungen von Anfang an mit eingebunden werden; damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: 1. Wir nutzen das Potential der Flüchtlinge selbst (und viele bringen davon viel mit) und vermitteln ihnen dadurch auch mehr Selbstwertgefühl (ein Problem selbst lösen zu können fühlt sich immer besser an als ‘Almosenempfänger’ zu sein) 2. Wer von uns rollt mittlerweile nicht mit den Augen wenn sich z.B. mal wieder ein Flüchtling darüber beschwert dass er in einem Dorf leben muss und nicht in der Großstadt leben darf – dem mit der Frage “Wie würdest du das Problem lösen wenn es deine Entscheidung wäre und auf einmal so viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen?” halte ich für wesentlich sinnvoller und zielführender als zum zehnten Mal zu erklären warum das nun einmal so ist; Wenn Menschen wie Qais über einen Blog ihre Ideen, Wissen und Konzepte teilen können wir diese in die Entwicklung von Lösungen für Herausforderungen einbinden, anstatt uns selbst ständig den Kopf zu zerbrechen.

 

  1. Flüchtlinge
    Übersetzung: „Nur weil du Recht hast, heißt das nicht das ich falsch liege. Du hattest nur noch nicht die Möglichkeit das Leben von meiner Seite zu sehen“

    Interkulturelle Kommunikation fördern: Viele Missverständnisse oder auch Unverständnis beruhen auf einem Mangel an Wissen über Kultur, Religion oder auch dem was andere durchgemacht haben; Webseiten und Blogs wie die von Qais bringen uns nicht nur die Kultur/Herkunft/Religion und ihre Fluchtgeschichten näher und lassen uns sie als Menschen besser verstehen, sondern helfen uns auch zu verstehen wie sie uns und unsere Gesellschaft wahrnehmen. So können wir auch identifizieren an welchen Stellen vielleicht noch mehr Erklärungsbedarf besteht;

 

 

 

 

 

  1. fb_img_1480132116764Geflohene nicht nur als die ‚Kategorie Flüchtling’ zu betrachten sondern wieder als Menschen zu sehen: Multikulteralismus in Deutschland ist meiner Ansicht nach nicht gescheitert, was tatsächlich in der Vergangenheit scheiterte ist der Dialog und die Kommunikation; jeder Flüchtling ist in erster Linie ein Mensch mit einer traumatischen Geschichte der bis zu seiner Ankunft meist alles verloren hat; dabei ist es wichtig das sie nicht ständig immer nur als Flüchtlinge wahrgenommen werden, sondern als Menschen konfrontiert mit einer großen Herausforderung die sie meistern möchten und dabei ab und zu etwas Hilfe benötigen; Facebook Gruppen wie  „Flüchtlinge sind Menschen wie du und ich – we are all humans“ fördern genau diesen wichtigen Ansatz; Qais indem er seinen Weg mit uns teilt hofft dabei das Geflohene vor allem wieder als das neue Familienmitglied, einer neuer Kumpel oder einfach nur guter Nachbar empfunden werden und nicht nur als Flüchtling
  1. Flüchtlinge
    Übersetzung: Es ist besser alleine zu laufen, anstatt mit der Masse in die falsche Richtung

    Einem Negativtrend Einhalt gebieten: Die ursprünglich extreme „Willkommenskultur“ wurde irgendwann in Teilen der Bevölkerung zur „Paranoia Kultur“; dabei gibt es unter jenen die Kanzlerin Merkel für ihre Flüchtlingspolitik kritisieren leider zu viele hoffnungslose Rassisten, aber auch welche denen Flüchtling Angst machen aufgrund von negativer Presse, Gewalttaten oder anderen Ängsten; viele davon haben schlichtweg Angst vor dem ‚Unbekannten’, in diesem Fall Menschen aus anderen Kultur,- und Religionskreisen; mit diesen Angst befangenen Stimmen sollten wir uns jedoch konstruktiv auseinandersetzen und den Dialog suchen um Ängste abzubauen, anstatt sie nur abzuschmettern; wir sollten dabei daran erinnern das gewalttätige Flüchtlinge eine Ausnahme darstellen, die Zahl rechtsradikaler Gewalttaten gegenüber Flüchtlingen um einiges höher ist (verdoppelte sich von 2014 auf 2015) und es unter dem Strich gesehen in jeder Kultur ‚schwarze Schafe’ gibt – in unserer nicht weniger als in anderen; Qais möchte mit seinem Blog die Möglichkeit zum Dialog eröffnen

  1. Flüchtlinge
    Übersetzung: „Das Problem mit engstirnigen Menschen ist, dass ihr Stimmen meist lauter sind als die anderer.“

    Eine Kampfansage an Rassismus, Fremdenhass und Unmenschlichkeit: Rassisten haben oftmals mehr Gehör in der Öffentlichkeit als die positiven Stimmen; indem wir Menschen wie Qais dabei unterstützen ihre Geschichte/Ideen zu teilen und die positiven Seiten der Zuwanderung darstellen, nehmen wir Rassisten automatisch den Wind aus den Segeln sowie die Möglichkeit mehr Unterstützer zu finden

 

 

 

 

 

 

  1. Flüchtlinge
    Übersetzung: „Jene die fähig sind über die Schatten und Lügen ihrer eigenen Kultur hinaus zu sehen, werden nie verstanden werden und noch viel weniger werden ihnen die Massen Glauben schenken.“ – Plato

    Politik beeinflussen: Wenn man die Flüchtlingspolitik und ihre Folgen aus den 80er/90er mit der von heute vergleicht, dann hat sich an manchen Stellen tatsächlich ein wenig zum besseren verändert und an anderen Stellen machen wir genau die gleichen Fehler wieder; nach wie vor gibt es eine Tendenz dazu das Flüchtlinge nicht unter uns leben sondern es sich darauf hinaus läuft, dass sie in bestimmte Stadtteilen angesiedelt sind; auch verschärfen wir genau wie damals wieder die Asylgesetze; an so mancher Stelle hört man dann z.B. das man lieber an die Türkei Geld zahlt um den Flüchtlingsstrom aufzuhalten, anstatt ihnen im eigenen Land zu helfen um zu verhindern das rechtsradikale Parteien nicht noch stärker werden; während das nachvollziehbar ist, ist es am Ende doch falsch: Zum laufen wir Gefahr so einigen Schutzsuchenden am Ende den nötigen Schutz zu verwehren und zum anderen geben wir den Parolen rechtsradikaler Parteien mit dieser Reaktion ja sogar noch Recht; eine gute politische Führung sollte sich in erster Linie um mehr Kommunikation und ehrlichen Dialog bemühen, welcher der Bevölkerung die Angst nimmt; nicht zuletzt wäre mehr Offenheit und Ehrlichkeit darüber, dass unsere Wirtschafts,- und Außenpolitik gegenüber Drittstaaten an der Misere anderer Länder nicht ganz unschuldig ist, sicher nicht verkehrt; ich bin mir sicher, dass intelligente Menschen wie Qais als auch so manch anderer Flüchtling am Ende für unser Land ein großer Zugewinn sein werden – Menschen von denen auch wir viel lernen können

  1. Trainiere den Trainer (train the trainer): Kaum jemand ist letztendlich besser qualifiziert bei der Integration neuer/anderer Flüchtling behilflich zu sein und dafür zu sorgen das Integration funktioniert, als Menschen wie Qais, die das bereits erfolgreich gemeistert haben; sie stellen eine wertvolle Schnittstelle zwischen unserer Kultur und jener der Neuankömmlinge dar; da sie aus dem gleichen Kulturkreis wie die Neuankömmlinge kommen und gleichzeitig die Grundsätze deutscher Kultur und Wertevorstellungen bereits weitestgehend verstanden/verinnerlicht haben, können sie diese Neuankömmlingen am glaubhaftesten vermitteln; aus diesem Grund ist es wichtig, dass wir uns hinter Vorbilder wie Qais stellen, ihrer Stimme mehr Gewicht verleihen und sie stärker machen

In diesem Sinne wünsche ich Qais nicht nur Erfolg mit seiner Initiative, sondern hoffe dass er möglichst viel Feedback erhält und sich viele Menschen an seiner Initiative, sei es durch Kommentare/Fragen/Teilen/Artikel oder auch Ideen, beteiligen werden.

Die erste Begegnung mit Qais: Ein Weihnachtsmarkt und wie alles begann

Mit Hvras und Qais auf dem Traunsteiner Christkindlmarkt

Rosi Kern

Ich bin Rosi Kern und kenne Qais nun seit einem guten Jahr. Jedes Jahr nehmen wir für unseren Verein Unlimited Partnership, der Mikro-Finanz Projekte und Bildungsprojekte in Sierra Leone und Uganda unterstützt, an einem lokalen Weihnachtsmarkt teil. Der Erlös fließt dabei in unsere Projekte in Afrika. Aufgrund der hohen Anzahl an Flüchtlingen und der Diskussion über Integration in der Öffentlichkeit, beschlossen wir Flüchtling zur Teilnahme an unserem Weihnachtsmarkt im Dezember 2015 einzuladen. Die ursprüngliche Idee dahinter war dabei ihnen die Möglichkeit zu bieten aus dem Flüchtlingsheim rauszukommen und etwas Zeit mit Deutschen zu verbringen.

Aus diesem Grund machte ich mich ein paar Tage vor dem Markt mit meinem Papa zum Flüchtlingsheim in der Gemeinde meiner Eltern auf um den Flüchtlingen unseren Verein und dessen Arbeit vorzustellen. Am Ende beschlossen zwei von etwas 50 Flüchtlingen uns zum Weihnachtsmarkt zu begleiten – Hvras aus dem Nordirak und Qais aus Afghanistan. Damals hatten wir noch keine Ahnung, dass Qais Entscheidung uns beim Weihnachtsmarktverkauf zu helfen unser Leben genauso verändern würde wie wir vermutlich seins. Qais war damals bereits seit etwa vier Monaten in Deutschland, war jedoch weder bei der Aktenanlage, noch hatte er das Recht an einem offiziellen Deutschkurs teilzunehmen und wollte eigentlich nichts lieber als endlich anfan

Flüchtlinge
Unser Weihnachtsmarkt-Team im Dezember 2015; außen links im Bild Qais und neben meinem Papa steht Hvras

gen zu arbeiten. Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern an dem ich ihn zum ersten Mal getroffen hatte. Als mein Papa und ich Hvras abholten, stand er bereits pünktlich (wie immer) draußen und wartete auf uns: Groß, stolz und fast ein wenig anmutig wenngleich vom dem was er im Leben bis dahin bereits durchgemacht hatte definitiv gekennzeichnet. In den ersten Tagen war er relativ schüchtern und sprach eigentlich nur wenn jemand auf ihn zuging. Und dennoch fiel uns bereits in den ersten Tagen auf, dass er sein Umfeld und die Leute um ihn herum ganz genau beobachtete.

Hvras besuchte zur Zeit des Weihnachtsmarktes bereits seit einigen Monaten einen Deutschkurs und konnte daher relative gut lesen und schreiben, während im das Sprechen deutlich schwer viel. Qais hingegen, weil er aus Afghanistan kommt, hatte kein Recht oder Zugang zu einem Deutschkurs, dafür aber das Glück von einer pensionierten Grundschullehrerin zweimal die Woche für je zwei Stunden unterrichtet zu werden. Da Qais bei seiner Ankunft in Deutschland in unserer Handschrift/Sprache weder lesen noch schreiben konnte, handelt es sich dabei vor allem um einen Buchstabierungskurs. Bald wurde uns auch klar das Qais bis auf zwei Monate in Pakistan, wo er mit seinen Eltern als Flüchtling einige Jahre lebte, nie zur Schule ging. Irgendwann während dem Weihnachtsmarkt fiel mir auf, dass er in seiner eigenen Sprache sowohl lesen als auch schreiben konnte. “Wo hast du das gelernt wenn du nie die Schule besucht hast,” fragte ich ihn erstaunt. “Ich habe am Abend und nachts nach der Arbeit einfach das nachgemacht was meine Geschwister bei ihren Hausaufgaben gemacht haben und mit ihnen gelernt. Die gehen alle zur Schule”, meinte er.

Obwohl er bis auf ein paar Worte kein Deutsch sprach konnten wir uns aufgrund seiner relativ guten Englischkenntnisse gut unterhalten. Wir wunderten uns wo er wohl Englisch gelernt hatte: „Wie kommt es, dass du Englisch sprichst?“ „Ich hatte ihn Kabul einen kleinen Kosmetikladen und zeitweise relative häufig internationale Kunden, vor allem Amerikaner. Mit der Zeit lernt man dann Englisch. Ich habe einfach immer wieder mal gefragt ,Wie heißt das auf E

Integration Weihnachtsmarkt
Unsere Verkaufshütte auf dem Traunsteiner Weihnachtsmarkt im Dezember 2015

nglish’“, erklärte er. Wir waren alle beeindruckt und lernten bald darauf dass er auch Dari, Farsi, Urdu, Paschtu und Hindi gut verstehen und fließend sprechen konnte. Hindi weil er unglaublich gerne Bollywood Kinofilme ansieht, Urdu aufgrund seiner frühen Kindheitsjahre in Pakistan und Paschtu durch Freunde.

Minimaler Deutschunterricht zwischendrin

Während dem Weihnachtsmarkt und vor allem zu Zeiten in denen gerade weniger los war, versuchten wir Hvras und Qais ein paar Deutsche Worte und einfache Sätze bzw. Unterhaltungen mit Kunden beizubringen. Qais schien das wie ein Schwamm aufzusaugen und es war offensichtlich dass ihm das Lernen einer neuen Sprache auf interaktive Weise leichter fiel als anderen. Obwohl er damals kaum sprechen konnte, fiel auf dass er bereits einiges aus dem Kontext oder Situationen heraus verstand. Als Christls Mann während dem Weihnachtsmarkt irgendwann vorbeischaute, bat sie ihn ein paar Fotos von uns für den Vereins-Newsletter zu machen. „Max mach doch mal ein paar Bilder von uns auf dem Weihnachtsmarkt“, bat sie ihn. „Klar, reich mir doch bitte vorher die Kamera,“ meinte er ohne auf die Kamera zu zeigen. Qais drehte sich unmittelbar nach der Kamera um und reichte sie max. „Danke. Ich glaube du kannst doch besser Deutsch als zu zugibst,“ sagte ich lachend zu ihm auf Englisch. „Nein, das kannst du doch nicht machen. Qais muss Deutsch lernen. Warum sprichst du auf Englisch mit ihm. So lernt er doch nie Deutsch,“ meinte Max bestimmend. Leichter gesagt als getan, dachte ich mir, wenn jemand noch kaum eine Grundlage auf Deutsch hat. Im Nachhinein muss ich natürlich zugeben, dass Max absolut Recht hatte. Qais half auch Hvras öfter in der Kommunikation mit uns aus, da er sich doch etwas schwerer mit der Verständigung tat. Kurdisch ist Dari und Farsi wohl etwas ähnlich und so gelang es Qais teilweise Hvras besser zu verstehen und dann für uns zu übersetzen. Als wir die beiden an einem dieser Tage zuhause absetzten meinte Qais lachend: „Ich lerne noch Kurdisch durch Hvras sollte sich der Weihnachtsmarkt noch etwas länger dauern.“ In diesen Tagen war sich Qais absolut sicher, dass es er mindestens drei Jahre brauchen würde um gut Deutsch zu sprechen. „ Das brauchte lange und ist nicht einfach. Mir fehlen auch die Möglichkeiten die Sprache anzuwenden“, wiederholte er einige Male. „Du lebst jetzt in Deutschland und du wirst schneller lernen als du denkst, denn viele Menschen hier sprechen kein oder nur wenig Englisch,“ versicherte ihm mein Papa. Die Zweifel über das was mein Papa ihm entgegnete, waren ihm zu diesem Zeitpunkt ins Gesicht geschrieben.

Da wir als Verein gemeinnützig tätig sind und somit alle unentgeltlich arbeiten sowie es gesetzlich nicht erlaubt gewesen wäre die beiden für die drei Tage zu entlohnen, versuchten wir uns erkenntlich zu zeigen indem wir sie zum Mittagessen und Abendessen eingeladen haben. „Die beiden sind dabei so bescheiden dass es mir schon fast unangenehm ist,“ meinte mein Papa an einem dieser Tage. „Vielleicht können wir an einem Wochenendtag nach dem Christkindlmarkt einfach einen Tagesausflug mit den beiden machen und ihnen so was von der Region zeigen,“ schlug ich vor. Auch erklärten wir ihnen bei einer der Heimfahrten warum wir ihnen leider für ihre Arbeit nichts zahlen können. „Denk gar nicht daran,“, antwortete Qais. „Wenn dich in meinem Land jemand um Hilfe bittet und du dann im Gegenzug Geld oder eine andere Entlohnung dafür annimmst ist das eine große Schande. Wir helfen gerne, das ist das wenigste das wir tun können,“ fügte er hinzu. „Es macht uns Spaß mit euch auf dem Weihnachtsmarkt zu sein. Alles ist besser als in Brünning zu sitzen und nichts zu machen,“ meinte auch Hvras.

Der ganz normale Behördenwahnsinn oder Integration leicht gemacht?!

Christl und ich waren am ersten Tag des Weihnachtsmarkts bereits vor Ort und mit dem Aufbau beschäftigt als mein Papa mit den beiden ankam. “Qais hat eine Patin bei der war er heute beim Mittagessen. Die ist auch Journalistin glaube ich und macht sich Sorgen ob das Arbeiten auf dem Weihnachtsmarkt ihn am Ende in Schwierigkeiten bringen könnte, “erzählte er mir kurz nachdem sie in Traunstein angekommen waren und gab mir die Telefonnummer der Patin. Am Tag darauf telefonierte ich mit Qais Patin und versicherte ihr das es sich nicht um bezahlte Arbeit sondern Freiwilligenarbeit handelte. “Das muss man trotzdem anmelden soweit ich weiß. Da bewegt man sich auf dünnem Eis und am Ende droht schlimmstenfalls die Abschiebung, “erklärte sie mir und gab mir die Nummer einer Frau aus dem Helferkreis die sich anscheinend mit derlei Dokumenten am besten auskannte. Von dieser lernte ich dann dass nur eine Person im Helferkreis dieses Dokument hat, und riet mir bei den Behörden nach dem Formular zu fragen. “Was soll das den für ein Formular sein?,” fragte mich der Herr vom Sozialamt. “Wir sind für Unterbringung zuständig. Wenn es um Arbeit geht ist das Jobcenter oder Arbeitsamt zuständig. Aber wenn es sich nur um Freiwilligenarbeit handelt, dann glaube ich nicht das es da was anzumelden gibt.” “Sind die beiden den schon beim Jobcenter gemeldet oder haben eine Festanstellung und wie heißen die beiden den?”, fragte man mich beim Arbeitsamt. “Nein”, meinte ich, “der eine macht gerade einen Integrationskurs und der andere war noch nicht mal bei der Aktenanlage in München bisher,” erklärte ich ihm. “Und was wollen sie dann bei uns? Wir sind nur für die Jobvermittlung zuständig. Ich rate ihnen bei der Ausländerbehörde oder im Sozialamt nachzufragen,” riet er am Ende. “Ja die vom Sozialamt haben mich ja zu ihnen geschickt,” meinte ich etwas amüsiert. Ich probierte es nochmal bei der Ausländerbehörde. “Ja nein das tut mir jetzt wirklich leid aber die Zuständigen für ihre Flüchtlinge sind gerade in Traunreut und da wahrscheinlich den ganzen Tag aufgrund der Ankunft neuer Flüchtlinge,” erklärte mir die Dame zu der ich beim Empfang durchgestellt wurde. “Na da muss es doch dann eine Ersatzperson geben die mir eine so simple Frage beantworten kann. Sie zum Beispiel,” entgegnete ich. “Hmm ja, aber wissen Sie ich bin hier noch relative neu und was falsches möchte ich Ihnen nun auch nicht sagen. Aber die beim Sozialamt die wissen das doch sicher.” erhielt ich zur Antwort. Also probierte ich nochmal mein Glück beim Sozialamt. Am Ende erhielt ich dann die Nummer der Diakonie mit dem Verweis die hätten Erfahrung mit solchen Fällen. Das Gespräch mit der Diakonie war mein letztes an diesem Tag zu diesem Thema. “Wir haben kein solches Formular da bin ich mir Recht sicher. Dass sie jetzt nirgendwo eine Antwort auf Ihre Frage bekommen haben wundert mich auch nicht. Aber wissen Sie ich habe einmal von einem ähnlich gelagertem Fall gehört. Und da meinte wohl ein Anwalt das wäre ähnlich dem Prinzip der guten Nachbarschaftshilfe. Hoffen Sie einfach das nichts passiert und wenn doch, dann sagen Sie die beiden haben einfach kurz ausgeholfen.” Nach circa eineinhalb bis zwei Stunden telefonieren mit verschiedenen Behörden war ich dann am Ende genauso schlau wie vorher. Ich es mit Humor genommen, mich aber gleichzeitig gefragt, wenn die einfachen Dinge wie Freiwilligenarbeit schon so unglaublich kompliziert scheinen, wie mühselig muss es dann für alle Helfer sein kompliziertere Angelegenheiten wie zum Beispiel die Vermittlung von Festanstellung oder Krankenhausbesuche zu regeln?

 

 

 

Als afghanischer Flüchtling geboren in Pakistan: Erinnerungen an meine frühe Kindheit

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Ich als Baby in Pakistan

Zeit hat in Afghanistan einen anderen Stellenwert als in Europa. Was ich damit meine ist, dass in Europe ein Datum oder ein bestimmter Zeitpunkt alles zu sein scheinen, in meinem Land aber relativ unbedeutend sind für gewöhnliche Menschen. Es gibt schlichtweg wichtigeres in unserem Leben. Viele Afghanen wenden sich hilfesuchend an Freunde und Verwandte wenn man sie fragt wann sie denn geboren sind, vor allem jene in ihren 20ern oder 30ern, die also während dem Krieg geboren wurden. Das erste Mal als mich überhaupt jemand gefragt hat was mein Geburtsdatum ist, war als ich bei meiner Ankunft in Deutschland als Flüchtling registriert wurde. Unwissend habe ich erstmal meine Familie angerufen und gefragt. Doch selbst innerhalb meiner Familie war man sich noch nicht einmal sicher wie alt ich denn eigentlich bin, von einem Geburtsdatum ganz zu schweigen. So hörte ich verschiedene Einschätzungen von meiner Mama, meinem Papa und meinem Opa. Ich bin wohl etwas um die Anfang 20. Als ich geboren wurde, mitten im Krieg, hatte meine Familie schlichtweg andere Sorgen und sah keine Notwendigkeit mein Geburtsdatum oder Jahr festzuhalten. Hinzu kommt, dass wir in Afghanistan dem islamischen Kalender folgen und nicht dem europäischen. Ein Bericht der UNO zur Situation in Afghanistan in den 80er und 90er Jahren gibt zu diesem Thema weiter Aufschluss: „In Afghanistan ist die Registrierung von Geburten mittlerweile zwar per Gesetzgebung verpflichtend, aber ein 23-Jahre andauernder Konflikt dezimierte administrative Mechanismen und soziale Institutionen, welche derartiges unterstützen.“

Die Heirat meiner Eltern und meine Familie

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Meine Schwester, mein Papa und ich

Die Erinnerungen meiner ersten Lebensjahre sind fragmentiert, aber an das was ich mich noch erinnern kann, möchte ich trotztdem gerne teilen. Dabei solltet ihr aber nicht vergessen, dass Angaben von Zeit und Jahren, bestenfalls eine Einschaetzung sind aufgrund der oben genannten Gruende. Die meisten Ehen in meinem Land waren und sind weiterhin arrangierte Ehen. Das heisst die Eltern, vor allem die Mutter, bemüht sich um einen passenden Ehepartner fuer ihre Söhne und Töchter. In diesem Sinne suchte auch meine Oma irgendwann für meinen Papa eine passende Frau. Meine Eltern war damals noch sehr jung. Eines Tages, als meine Oma die Schwester meines Opas in ihrem Dorf in Afghanistan besuchte, sah sie meine Mama. Bei ihrer Rückkehr nach Pakistan, die Familie meines Vaters lebte damals bereits dort, sprach sie mit meinem Papa und kurze Zeit spaeter wurde die Hochzeit arrangiert. Ihr findet es wahrscheinlich interessant zu wissen, dass meine Eltern sich zum ersten Mal an ihrem Hochzeitstag gesehen haben. Aber mein Vater hat grosses Glück, denn meine Mama ist eine sehr hübsche Frau. Kurze Zeit später wurde ich als das erste von sechs Kindern meiner Eltern als afghanisches Flüchtlingskind in Peshawar in Pakistan geboren. Mein Land war damals schon im Kriegszustand. Die Registrierung meiner Geburt kam damals niemanden in den Sinn. Vermutlich habe ich etwa die ersten zwei bis drei Jahre in Pakistan gelebt, bevor meine Eltern beschlossen die Rückkehr nach Afghanistan zu waagen. Bereits vor unserer Rückkehr wurde meine Schwester geboren. Da ich noch sehr klein war, kann ich mich an die Rückkehr kaum erinnern. Aber ich erinnere mich, dass ich selbst nach unserer Rückkehr noch ab und zu  länger Zeiten in Pakistan verbracht habe. Mein Oma, nach ihren Besuchen in Kabul, nahm mich des öfteren mal für zwei Wochen oder einen Monat mit nach Pakistan.

Das Leben in Kabul unter der Taliban

Bei unserer Rückkehr nach Kabul war die Taliban zwar bereits an der Macht, die Situation aber noch erträglich. Damals waren weder Musik, noch Fernsehen oder andere Arten der Unterhaltung erlaubt. Meine Familie nahm das Risiko des Fernsehens jeddoch trotzdem ab und zu in Kauf, um Nachrichten zu hören. In unserem sogenannten ‚sicheren Zimmer‘ wurde immer zuerste das Fenster so stark verdunkelt und abgeklebt, dass das Licht des Fernsehers auch ganz sicher nicht nach draussen dringen konnte. Auch die Lautstärke haben wir so gut wie moeglich runter gefahren. Eine weitere Gefahr damals war die ‚Sittenpolizei‘ der Taliban, die vor allem jungen Menschen das Leben schwer gemacht haben. Männern und Frauen, die nicht eng mit einander verwandt waren, durften damals nicht zusammen auf die Strasse gehen. Frauen durften ohnehin nur in Begleitung ihres Ehemann, Sohn oder Vater rausgehen.

Doch die Perfidität stoppte hier nicht: Einer meiner Onkel wurde damals für zwei oder 3 Tage verhaftet und festgenommen als er mit seiner Mutter auf der Strasse war. „Wer ist diese Frau“, fragte ihn der Sittenpolizist barsch. „Das ist meine Mutter“, antwortete er so ruhig wie möglich. Die Polize der Taliban war damit aber noch nicht zufrieden, schenkte ihm erstmal keinen Glauben und verhaftete ihn, bevor er weniger Tage später wieder freigelassen wurde. Was vielen damals auch Angst machte, war die Praxis der Taliban Dieben zur Strafe die Hand abzuhacken. Um den Rest von uns abzuschrecken, hängte sie damals die abgetrennten Hände an Bäumen in der Nähe von Kreuzungen und Strassen auf an denen viele Menschen vorbei kommen.

Zwei meiner Onkel waren während dieser Zeit in Kabul Fussballspieler in bekannten Manschaften im Land. Mein Vater hat mich dabei hin und wieder zu den Spielen im Stadium in Kabul mitgenommen. Einer meiner Onkel spielte damals zum Beispiel für Shiva F.C. Kabul. Vor dem Spielantritt benutzte die Taliban das Stadium jeddoch regelmässig für öffentliche Hinrichtungen. Auch ich habe so meine erste Hinrichtung miterlebt als ich noch ziemlich jung war. An diese Sache kann ich mich noch ziemlich genau erinnern. Die Taliban brachte einen Mann ins Stadium und zwang ihn auf die Knie. Dannach wandte sie sich an den Vater des Opfers, dass er umgebracht hatte und fragte: „Was sollen wir mit diesem Verbrecher tun? Wenn du möchtest, dass wir ihn umbringen machen wir das.“ Kurze Zeit später wurde der Mann vor unseren Augen hingerichtet. Mein Vater wandte sich wenig vorher an mich und sagte: „Du musst das nicht ansehen,“ und verdeckte meine Augen mit seiner Hand. „Nicht notwendig, ich kann meine Augen mit meiner eigenen Hand verdecken“, antwortete ich und er lies ab von mir. Doch von der Neugier getrieben spitzte ich durch meine Finger uns sah was passierte. In Worten kann ich nicht beschreiben was ich damals gefühlt habe. Was fühlt man wenn ein Menschen einen anderen Menschen umbringt und wie ein Tier behandelt? Ich war schockiert, traurig und von Angst getrieben. Es blieb aber nicht bei diesem einen Mal. Zu anderen Zeiten sah ich ähnliches im Fernsehen und unter anderem auch die Hinrichtung einer Frau.

Arbeit und Einkommen meiner Familie

Vor unserer Rückkehr nach Afghanistan und in den Jahren in Kabul bevor wir wieder nach Pakistan fliehen mussten, war mein Vater, viele meiner Onkel und auch mein Opa im Teppichgeschaeft aktiv. Wir haben Teppiche nicht nur zwischen Afghanistan und Pakistan gehandelt, sondern auch teilweise selbst gewebt. Mein Vater betrieb zudem eine kleines Geschaeft in Kabul das Garne, Schnurren usw. zur Teppichherstellung verkaufte. Als ich etwas älter wurde war auch ich aktiv beteiligt. Oft habe ich meine Onkel, Vater oder Opa begleitet wenn wir zehn oder zwanzig Teppiche nach Pakistan gebracht haben. Aus diesem Grund kenne ich heute noch so ziemliche jeden Weg der von Afghanistan nach Pakistan über die Grenze und vorbei an offizielen Grenzübergängen führt. Da sowohl auf der afghanischen als auch pakistanischen Grenze die Polizei Bestechungsgelder forderte oder uns nicht rein gelassen hat, waren wir gezwungen andere Wege zu finden. Wir konnten es uns nicht leisten einen Teil des Familieneinkommens durch Bestechungsgelder zu verlieren. Oft haben wir auf dem Weg durch die Berge auch in den Bergen und Wäldern geschlafen. Insgesamt sagt mein Vater heute wenn er über die Zeit damals spricht, dass diese Zeit nicht immer einfach war und das wir viele Risiken eingehen mussten, aber zumindest unsere finanzielle Situation ok war. Wir kame über die Runden.

Erneute Flucht nach Pakistan

Mit der Zeit und den anhaltenden Kämpfen zwischen der Taliban und anderen Gruppen verschlechterte sich die Sicherheit aber immer mehr. Bei Familienbesuchen in Pakistan versuchten unsere Verwandten uns zusehends davon zu überzeugen nach Pakistan zu kommen. „Hier müsst nicht ständig in Angst leben, habt Strom, koennt arbeiten und habt mehr Freiheiten“, meinten sie bei Besuchen. Wir haben damals in Kabul schon einige Nächte und Tage im Keller verbracht wenn die Bombadierungen und Befeurung unserer Stadt zu intensiv wurde. Als es gar nicht mehr ging und immer mehr Familien flohen, beschlossen auch meine Eltern zu gehen. Damals haben wir alles was wir uns bis dahin aufgebaut hatten verloren: Unser Haus und auch unser Geschäft.

In Pakistan kamen wir mit nichts an und machten schwierige Zeiten durch. In den ersten zwei Monaten schickten meine Eltern mich noch zur Schule. Aber dannach konnten sie es sich schlichtweg nicht mehr leisten. Ein paar Erinnerungen von der Schule habe ich aber noch: So haben wir an manchen Tagen Essen und Kuchen für die Lehrer mitgebracht. Auch das buchstabieren habe ich in der kurzen Zeit gelernt. Und einer der Lehrer war irre streng. Jedes Mal wenn jemad zu spaet war, bekam er mit einem Stock Schläge auf die Hand. Mir ist das zweimal in der Zeit passiert.

Die finanzielle Situation meiner Familie wurde immer schlechter, bis zu dem Punkt an dem wir nichts mehr zu essen hatten. Mein Vater konnte im Teppichgeschäft in Pakistan keinen Fuss fassen. Er wandte sich an alte Kunden und versuchte deren Teppiche für eine kleine Kommission weiter zu verkaufen. Aber zum Leben reichte es leider nicht. Hin und wieder sahen wir meinen Vater für zwei oder drei Tage gar nicht – er kam nur nach Hause wenn er zumindest etwas Essen oder Geld mitbringen konnte. Wir haben damals regelrecht gehungert. Meinen Freunden in Deutschland sage ich immer, dass sie sich nicht vorstellen können und man keine Ahnung hat was Hunger bedeutet wenn man das nie selbst erfahren hat.

Unsere Unterkunft bestand damals aus einem Zimmer und einer Toilette. In der Toilette haben wir von duschen bis kochen und waschen alles gemacht. Zudem waren wir gezwungen regelmässig anderswo ein neues Zimmer zu finden. Die Vermieter haben immer wieder die Miete erhöht. Da wir uns das nicht leisten konnten, sind wir dann weiter gezogen in der Hoffnung etwas billigeres zu finden. In dieser Zeit habe auch ich angefangen zu arbeiten, um meinem Vater zu helfen fuer unsere Familie zu sorgen. Ich fing damals an Teppiche zu weben.

Die schönen Erinnerungen aus dieser Zeit haben entweder mit Fussball/Cricket, dem ‘Army Stadium’ (Vergnuegungspark) in Peshawar, den Essensausgaben von UNO Organisationen und Familienfeiern zu tun:

UNICEF/WFP: Unser Verwandten hatten damals selber nichts oder wenig und konnten uns auch nicht helfen. Die einzigen afghanischen Familien, welche damals etwas besser dran waren, sind jene die Verwandte im Ausland (Nordamerika, Europa oder Australien) hatten und von diesen Geld geschickt bekommen haben. Während dieser Jahre in Pakistan kamen zwei meiner Brüder auf die Welt. Zum Glück bekamen sie oefters Kekse von UNICEF und dem UN World Food Programme (WFP). Dies hat geholfen sie am Leben zu halten und sie mit Essen zu versorgen.

Familienfeiern: In meinem Land ist es Tradition, dass Erwachsene Kindern bei Familienfeiern Süssigkeiten schenken. Damals wie heute war ich ganz wild darauf, vor allem Schokolade. Familienfeiern waren die einzigen Gelegenheiten bei denen es genügend Essen und vor allem auch Süssigkeiten gab.

The Army Stadium in Peshawar is a small amusement park for families Picture: http://paktravel.net/peshawar/army-stadium-peshawar/

Army Stadium: The Army Stadium ist ein bekannter Vergnügungspark in Peshawar und als kleines Kind wollte ich immer hingehen und beneidete andere die das konnten. Ein Eintrittsticket kostete aber USD 2. Und so hatte ich nur zweimal das grosse Glück: Einmal durch einen Onkel aus Australien waehrend seinem Besuch, und ein anderes Mal durfte ich mit meinem Cousin an Eid, einem unserer religioesen Feiertage, hingehen.

Cricket und Fussball: Das Cricket spielen auf dem Hausdach von dem Haus in dem wir unser Zimmer hatten, bescherte mir öfters mal Probleme wenn der Ball wieder bei den Nachbarn landete. Spass hat es aber trotzdem gemacht; auch konnte ich es immer kaum erwarten nach dem Teppich weben, meist so um vier Uhr, im Park Fussball zu spielen

Die US erklaeren Krieg

An den Tag an dem die USA Krieg gegen Afghanistan und die Taliban erklärten erinnere ich mich wie gestern. Ich war gerade im Haus meiner Tante und schaute Scooby-Doo im Fernsehen an, als der ehemalige US Praesident Bush Bombadierungen ankündigte. Meine Tante war voellig aufgebracht und verrückt vor Sorge, da ihr Mann damals gerade in Kabul war.  Nachdem er ein paar Nächte und Tage im Keller verbracht hatte und die Situation es erlaubte das Haus zu verlassen, kam er schliesslich aber unversehrt in Pakistan an. Es dauerte nicht lange, bis sich die gesamte Familie meiner Mama als auch meines Papas auf der Flucht vor dem Krieg in Pakistan ankam.

Als es die Situation wieder zu gelassen hat, machte sich meine Familie zum zweiten Mal auf die Rückkehr nach Afghanistan. Mein Vater sah keinen anderen Ausweg. Da wir in Pakistan nichts zu verlieren hatten, konnte die Situation nur besser werden.

Die zweite Rückkehr nach Kabul
An unsere zweite Rückkehr nach Afghanistan kann ich mich noch gut erinnern. Zusammen mit vier oder fünf anderen afghanischen Familien zwangen wir uns in einen kleine Laster und machten uns auf dem Weg zum offiziellen Grenzübergang. Der Laster kam nur sehr langsam voran, da er mit so vielen Menschen und ihren Habseligkeiten völlig ueberladen war. Unweit von der Grenze stoppten wir an einem grossen Platz wo wir unsere Namen registrierten bevor wir die Grenze überquerten. Im Gegenzug bekamen wir Essen, z.B. Oel und Mehl, von UNO Organisationen wie dem World Food Programme. Auch bei der Ankunft in Kabul bekamen wir nochmal Kleidung und Essen von diesen Organisationen. Auch bekamen wir Besuch von Organisationen die vermutlich der Regierung angehörten. Als mein Papa damals meinte das wir kein Haus mehr haben, hat man uns ein Stück Land versprochen – ein Versprechen, das nie umgesetzt wurde. Damals wie heute bekam mein Land Unsummen an Entwicklunsghilfegeldern, gewöhnliche Afghanen sehen davon leider nur kaum etwas Eliten bereichern sich lieber selbst und die Gier unter denen die für die Verteilung zustäündig sind verhindern gerechte Verteilung meiner Meinung nach. Die britische Zeitung ‚The Guardian‘, basierend auf den Einsichten von jemandem der lange in meinem Land gelebt hat, schreibt hierzu: „Und woher kam das ganze Geld? Aus den Taschen der Steuerzahler in der EU, Grossbritanien, USA, Kanada und Australien. Ich habe Afghanistan seither verlassen, wurde aber an mein vergangenes Leben erinnert als europäische Politiker sich kürzlich in Bruessel getroffen haben um Afghanistan 3 Milliarden Entwicklungshilfe zu versprechen. Grossbritanien alleine sicherte 750 Millionen britische Pfund in den kommenden Jahren zu. Als ehemaliger Regierungsrepräsentant und ehemaliger Mitarbeiter der UNO, habe ich grosse Bedenken wie das Geld ausgegeben wird. Welche Sicherheiten gibt es, dass das Geld den Afghanen zu Gute kommt? Werden die Bauern in abgelegenen Doerfern etwas davon haben, nachdem sie sich erste einmal durch mehrere Schichten einer korrupten Regierung kämpfen müssen? Ich fürchte Europa hat der afghanischen Regierng eine Blanko-Scheck gegeben.“

 

Blutrache: Rache bedeutet am Ende ist keiner ein Gewinner

Blutrache
‚Auge um Auge macht die ganze Welt blind‘ by Mahatma Ghandi

Die Entscheidung alles zurück zu lassen und mein Land zu verlassen, ermutigt durch meine Eltern, war die bisher schwierigste in meinem Leben. An dem Tag an dem ich mein Land verlassen habe, wusste ich weder ob ich die Flucht überleben würde noch wann und ob ich meine Eltern und Geschwister je wieder sehen werde. Als ich mich von meiner Familie verabschiedete wusste ich dass die Chance während der Flucht
zu sterben sehr hoch ist. In diesem Bewusstsein bat ich meinen Bruder, während ich mir die Schnürsenkel meiner Schuhe zuband: “Sorge bitte dafür, dass Mama nicht zu oft an mich denkt sollte mir etwas passieren und ich euch nicht wieder sehen. Sie soll nicht traurig sein und ich bitte dich, sie im schlimmsten Fall, immer wieder daran zu erinnern, dass sie ja noch vier andere Söhne hat.“

Wenn man die Menschen in Europa fragt was sie denken, dass die Hauptgründe für die Flucht von Afghanen sind, wird wahrscheinlich das Wort ‘Taliban’”am öftesten fallen.  Während die Kämpfe und Anschläge der Taliban in vielen Provinzen meines Landes nach wie vor ein Grund für die deprimierende Unsicherheit in meinem Land sind, eine Tatsache die wie ich finde sowohl in afghanischen als auch westlichen Medien herunter gespielt wird, ist dies dennoch nicht der einzige Fluchtgrund für Afghanen. Blutrache und Ehrenmorde, sind zum Beispiel auch ein immer wiederkehrender Fluchtgrund, jeddoch einer mit dem viel weniger Menschen vertraut sind. Meine Website soll nicht nur meine eigene Geschichte erzählen, sowie Deutsche in Bezug auf ihre Erfahrungen mit mir zu Wort kommen lassen, sondern auch für mehr Verständnis und Bewusstsein zu wichtigen Themen im Bereich Flucht beitragen.

Eine der ersten Fragen die ich von Deutschen immer wieder gestellt bekomme ist warum ich aus meinem Land fliehen musste.  Manchmal reicht es jeddoch nicht aus einfach nur den Grund zu nennen. Aus diesem Grund möchte ich in diesem Artikel mehr Informationen zur Blutrache und Ehrenmorde, eine komplexe Thematik die Europäern meist sehr fremd ist, darstellen. Blutrache und Ehrenmorde spielen leider auch in meinem Leben eine große Rolle. Während ich in diesem Eintrag Institutionen wie die UN Flüchtlingskommission, die zu diesem Thema viel Wissen hat, zu Wort kommen lassen, werde ich in einem weiteren Artikel erklären inwiefern dieses Thema für mich in den letzten Jahren zu einem großen Problem wurde.

Was ist eigentlich Blutrache?

Generell wird Blutrache wie folgt definiert: “Ein langwieriger Konflikt zwischen Familien, der Zyklen von vergeltenden Ermordungen und Verletzungen beinhaltet.” Im Klartext und in der Praxis heißt das
meistens, dass die Mitglieder einer Familie die Mitglieder einer anderen Familie in Form von Racheakten ermorden. Diese Praxis basiert auf altertümlichen Vorstellungen von Ehre und Verhaltenskodexen. Aufgrund
der starken Stammesstruktur der Gesellschaft in meinem Land (einer der Gründe warum meiner Meinung nach Demokratie in meinem Land nicht funktioniert) sind Blutrache und Ehrenmorde weiterhin ein großes
Problem. Aufgrund des Ausmaß an Korruption und des schlechten Verhaltens von Polizeibehörden haben die meisten von uns weder Hoffnung auf Schutz noch Gerechtigkeit, es sei denn eine Familie hat gute Beziehungen in der Politik.

Außereheliche Beziehungen – ein Grund für Blutrache und Ehrenmorde?

Blutrache und Ehrenmorde, entstehen unter anderem wenn auch nicht ausschließlich, basierend auf einem Sozialverhalten, welches die Gesellschaft oder Mitglieder der Gesellschaft als inakzeptabel empfinden. Viele Deutsche gehen immer davon aus, dass in unseren Ländern alles anders ist und vor allem die Menschen anders sind als in Europa. Natürlich haben wir unsere eigene Kultur, aber als Menschen in dem was wir uns wünschen und was wir empfinden sind wir am Ende doch alle gleich. Genau aus diesem Grund sind auch in meinem Land junge
Menschen genaus so an Beziehungen und Verabredungen interessiert wie in euren Ländern. Da unsere Gesellschaft aber sehr konservativ ist erlauben uns gesellschaftliche Moralvorstellungen dies nicht, und trotzdem gehen wir das Risiko in der Hoffnung nicht erwischt zu werden am Ende doch ein. Wir sind eben auch nur Menschen.

Im nächsten Paragraphen könnte ihr lessen was die UN Flüchtlingskommission zu diesem Them aim Zusammenhang mit Blutrache und Ehrenmorden in Afghanistan zu sagen hat:

·      Menschen die ein Vergehen gegen die religiöse Gesetzgebung begehen wie zum Beispiel Blasphemie, homosexuelle Beziehunge oder außereheliche Beziehungen laufen nicht nur Gefahr verfolgt zu werden, sondern gesellschaftlich abgelehnt zu werden und Gewalt seitens der eigenen Familie, Mitgliedern ihrer Gemeinschaft, der Taliban oder von anderen anti- Regierungsgruppen zu erfahren

·      Eine sexuelle Beziehung außerhalb der Ehe wird in Afghanistan als Vergehen mit Ehebruch gleichsetzt; alleine die Behauptung eines solchen ‘moralischen Verbrechens’ kann zu Ehrenmorden führen

·      Diese Praxis (Blutrache und Ehrenmord) betrifft nicht nur Frauen sondern auch Männder, v.a. im Falle von Ehebruch oder außerehelichen Beziehungen

Aus diesen Gründen schlussfolgerte die UN Flüchtlingskommission, dass Menschen deren Verhalten den afghanischen Moralvorstellungen wiederspricht, abhängig vom jeweiligen Fall, sehr wohl vom internationalen Flüchtlingsschutz abhängig sein können, basierend auf Religion oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe zum Beispiel.

Blutrache & verschiedene Ethnien oder Religionszugehörigkeit

Basierend auf meinen eigenen Beobachtungen und Erfahrunge, verschlimmert sich die Situation immense wenn die beiden involvierten Seiten verschiedenen Ethnien und Religionen angehören. Die Flüchtlingskommission erklärt hierbei:

‘Ethnische Unterteilungen in Afghanisten bleiben weiterhin stark ausgeprägt. Afghanistan verbleibt das viert gefährlichste Land für ethnische Minderheiten, insbesondere aufgrund von Angriffen auf Einzelpersonen aufgrund von ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit. Im afghanischen Kontext sind hierbei insbesondere Hazaras, Paschtunen, Tajiken, Uzbeken, Turkmenen und Baluchist einem Risiko ausgesetzt.

Daher folgert die UN Flüchtlingskommission, dass vor allem Einzelpersonen die einer von Afghanistan’s Minderheiten angehören und in Gegenden leben, in welchen sie nicht die ethnische Mehrheit darstellen, in manchen Fällen internationalen Flüchtlingsschutz brauchen. Natürlich ist dies am Ende vom Einzelfall abhängig. Vor allem sind hierbei des weiteren folgende Aspekte zu betrachten: Die relative Machtposition der ethnischen Gruppe im Bezirk der Einzelperson oder die Geschichte von inter-ethnischen Spannungen in diesem Bezirk. Des Weiteren können Schutzansprüche basierend auf Ethnie oder Rasse mit anderen Schutzansprüchen wie z.B jenen basierendauf Religion oder politischer Ansichten überlappen. An Hand meiner eigenen Geschichte werden viele dieser abstrakten Richtlinien am Ende besser verständlich werden.

Zur Dauer von Blutrache

Blutrachefälle können viele Hintergründe haben wie z.B. Mord oder andere Vergehen inklusive die Verursachung permanenter, ernster Verletzungen, Entführungen, Konflikte über Länderein, Zugang zu Wasserresourcen oder außereheliche Beziehungen. Durch Blutrache können langjährige Zyklen an vergeltender Gewalt und Racheakten entstehen. Sollte eine Familie nicht in der Lage sein Rache zu verüben, ist es gut möglich dass die Familie des Opfers einfach den richtigen Zeitpunkt abwartet und sich selbst nach vielen Jahren noch rächt. Aus diesem Grund kann Blutrache mehrere Jahre andauern und sich sogar über Generationen hinweg ziehen. Selbst wenn der Täter von der Justiz formell verurteilt wird, sind somit Racheakte seitens der Familie des Opfers noch lange nicht ausgeschlossen. Es sei den ein traditionelles/Stammesverfahren beendet den Konflikt, ist davon auszugehen, dass die Familie des Opfers sich rächt sobald der Täter seine Stafe abgeseßen hat.

Aufgrund dieser Tatsachen wird Blutrache von der UN Flüchtlingskommission, abhängig von den Umständen des Einzelfalls, basierend auf einer Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen oder anderweitig relevanten Gruppe als ein Grund für internationalen Flüchtlingsschutz anerkannt bzw. empfohlen

Ich werde Deutschland zeigen was ich kann

 Qais Yaqubi ist bestens integriert

 

Qais Yaqubi stammt aus Kabul in Afghanistan und lebt seit einem Jahr in der Asylbewerberunterkunft in Brünning. Seit Anfang September hat er einen Arbeitsplatz bei BSH in Traunpic3reut. In seiner Freizeit engagiert sich der junge Mann ehrenamtlich beim THW und im Verein »Unlimited Partnership«. Er betont: »Ich will Deutschland zeigen, dass ich was kann. So viel Hilfe bekomme ich hier, da möchte ich auch was zurückgeben.«

Anfang 2015 machte sich Qais Yaqubi auf den Weg, seine Flucht dauerte dann insgesamt fünf Monate. Aus seiner Heimat fliehen musste er aufgrund eines Falls von Blutrache. Sein Cousin wurde aus diesem Grund bereits getötet und auch sein Leben war bedroht, die Familie war in großer Sorge. Über den Iran, die Türkei, Griechenland, Mazedonien und Serbien machte er sich zu Fuß, mit dem Bus oder dem Boot auf den Weg nach Deutschland.

Der 20-Jährige lenkte das Boot über das Mittelmeer

Bei der Überfahrt auf dem Mittelmeer von Izmir nach Samos lenkte der 20-Jährige selber das neun Meter lange Boot, auf dem 73 Personen zusammengepfercht waren. Dadurch erhielt Qais einen Rabatt auf den Fahrpreis. Im August 2015 kam er in Deutschland an, seit September wohnt er in Brünning. Noch ist er dort in der Flüchtlingsunterkunft, sucht aber ein eigenes Appartement oder eine kleine Wohnung im Raum Traunreut.

Dass Qais die Arbeit bei BSH bekam, ist nicht zuletzt seinem großen Lerneifer und Engagement zu verdanken. Er hat in Afghanistan keine Schule besucht, brachte sich einige Spra
chen, darunter Englisch, und das Schreiben selber bei. Nach sechs Monaten im »IdA Bayern Turbo Programm«, einem Berufsförderprogramm für Asylbewerber mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit, und mehreren Praktika in Betrieben in der Region, war er so fit, dass er bei BSH die Stelle als Monteur bekam. Damit hat sich ein erster Traum des jungen Mannes erfüllt. »Bei BSH kann man Zukunft bauen. Das ist eine in der ganzen Welt bekannte Firma und ich will zum Erfolg des Unternehmens beitragen«, freut sich Qais Yaqubi. Ihm gefällt die Arbeit im Team, er lernt viel von den Kollegen, sieht in dem Job eine große Chance für seine Zukunft und ist der Meinung, dass auch die Firma von einem Mitarbeiter aus einem anderen Kulturkreis profitieren kann.

BSH-Personalleiter Otto Rockel meint dazu: »Unser Ziel ist es, als Unternehmen insbesondere im lokalen Umfeld unseres Standortes in Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden und Hilfsorganisationen gezielt sinnvoll Hilfe zu leisten. Hierbei prüfen wir auch, wie am Beispiel von Qais Yaqubi, wie wir Flüchtlinge bei uns im Unternehmen beschäftigen können. Integration ist für uns dabei eine Selbstverständlichkeit. Unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Alter, Behinderung, sexueller Orientierung und Religion kann sich jeder bei uns im Unternehmen bewerben, der Motivation, Fachkenntnisse, Grundkenntnisse der deutschen Sprache und Akzeptanz für unsere Kultur des Miteinanders mitbringt.«

Neben der Arbeit engagiert sich Qais Yaqubi, dessen Verfahren zur Anerkennung noch läuft, ehrenamtlich. Als vergangenes Jahr Franz Kern vom Verein »Unlimited Partnership« in der Flüchtlingsunterkunft in Brünning nach Helfern für den Weihnachtsmarkt zugunsten armer Menschen in Uganda und Sierra Leone suchte, erklärte sich Qais sofort bereit, mitzuhelfen: »Wenn mich ein deutscher Mann bittet, dann helfe ich ihm natürlich.«

Seit Januar ist er auch eifriges Mitglied beim THW-Ortsverband Traunreut. Seine Motivation dafür macht er deutlich: »Ich will neue Freunde finden, neue Fähigkeiten erlernen, bei Einsätzen mitmachen.« Für Wolfgang Marold, Ortsbeauftragter des THW, ist es wichtig, dass die Flüchtlinge vernünftig beschäftigt werden: »Wir wollen unseren Beitrag zur Integration leisten.« Dafür, dass die Asylbewerber ehrenamtliches Engagement normalerweise überhaupt nicht kennen, habe sich Qais überraschend schnell und mit großem Einsatz in die Gruppe eingefügt.

»Wer Ärger macht, soll abgeschoben werden«

Qais ist überhaupt sehr hilfsbereit, fungiert auch immer wieder als Übersetzer für seine Landsleute. Er ist unglaublich dankbar, in Deutschland sein zu dürfen und hier so viel Hilfe zu beko
mmen. Da möchte er auch etwas zurückgeben. »Hier fühl‘ ich mich zum ersten Mal nach langer Zeit wieder sicher«, erklärt er. Über Asylbewerber, die diese Dankbarkeit nicht zeigen und Probleme machen, hat der Afghane eine ganz klare Meinung: »Wer Ärger macht, soll abgeschoben werden. Er schadet sonst nur denen, die ihre Chance hier nutzen wollen.« mix

Quelle: Traunsteiner Tagblatt vom 27.10.2016

Willkommen auf meiner Seite, ich freue mich über euren Besuch

Bild von: www.wienriesenrad.com

Gedankenverloren starrte ich das Riesenrad an und fragte das Leben: „Warum sind manche Menschen im Leben immer oben und andere unten?“ Da meinte das Leben: „Du vergisst das Riesenrad dreht sich. Und da sich das Riesenrad dreht sitzen alle Menschen mal oben und dann wieder unten.“ 

Meiner Meinung nach ist das Leben der Menschen mit dem Riesenrad vergleichbar, es läuft in Zyklen also mal gut und dann wieder weniger gut. Trotz allem denke ich aber auch, dass Gott manchen Menschen trotz allem etwas mehr Glück geschenkt hat als anderen.

Wie so viele andere Menschen aus dem Nahen Osten, Afrika oder Asien, bin auch ich vor etwas mehr als einem Jahr in Deutschland als Flüchtling angekommen. Das letzte Jahr war voller schöner sowie auch trauriger Momente. In den ersten drei bis vier Monaten konnte ich leider gar nichts machen, weder einen Deutschkurs besuchen, noch arbeiten. Mein Leben in Deutschland bestand damals aus einem ‚Alphabetisierungs-Deutschkurs‘ zweimal die Woche für etwa zwei Stunden. Nachdem ich mich im Dezember 2015 entschlossen habe bei einem Weihnachtsmarkt für den Afrikaverein ‚Unlimited Partnership e.V.‘ mitzumachen und Mitglied zu werden, habe ich aber eine Familie gefunden die anfing mir Deutsch beizubringen. Etwa zwei Wochen später hat sie mir dann geholfen beim Technischen Hilfswerk aktives Mitglied zu werden und das ‚Ida Bayern Turboprogramme, ein 5-monatiges, berufsvorbereitendes Program, zu absolvieren. Im Anschluss an den Abschluss dieses Programmes habe ich bei der BSH Group in Traunreut meine Stelle als Monteur begonnen und bin auch der Gewerkschaft ‚IG Metall‘ beigetreten. Wenn ich auf das vergangene Jahr zurückblicke kann ich sagen, dass es von Höhen und Tiefen gekennzeichnet war. Trotz aller Herausforderungen fühle ich mich aber seit langer Zeit zum ersten Mal wieder sicher. Indem ich meine Geschichte und Ansichten über diese Webseite teile, möchte  ich euch Leser an meinem Leben teilhaben lassen und unter anderem folgendes zu erreichen:

  • Deutschen die Möglichkeit geben zu erfahren wer ich bin, warum ich fliehen musste und welche Meinungen ich zu gesellschaftlichen Themen habe; ich hoffe dadurch Vorurteile und Ängste abbauen zu können; ich denke ihr werdet dadruch sehen, dass auch ich einfach nur ein normaler Mensch bin wie ihr seid
  • Lesern die Möglichkeit geben meine Herkunft, mein Land, meine Kultur und meine Leute durch meine Erzählungen und Perspektiven kennenzulernen, anstatt nur einseitig durch die Medien
  • Anderen und neu ankommenden Flüchtlingen die Chance geben durch meine Geschichte zu erfahren was ihnen bei der Integration in Deutschland vielleicht helfen könnte; meine persönliches Motto war und ist: „Wenn du etwas erhalten möchtest, musst du versuchen zuerst etwas zu geben.“
  • Wissen zum Thema Blutrache, Migration und Fluchtursachen anbieten
  • Durch den Gedankenaustausch oder Diskussionen auf meiner Webseite zu einem besseren Verständnis füreinander sowie miteinander zwischen Deutschen und Flüchtlingen beitragen
  • Schreiben und lesen auf Deutsch habe ich neu gelernt in Deutschland; sprechen ist relativ einfach für mich, lesen passt auch, aber schreiben ist um einiges schwieriger; indem ich mit der Hilfe von Freunden blogge die teilweise meine Texte korregieren oder als Ghostwriter fungieren, hoffe ich unter anderem auch im Lesen und Schreiben besser zu werden

Nicht zuletzt ist ein Teil meiner Geschichte aber auch ein ‚DANKE‘ an alle Deutschen – meine deutschen Freunde, Familie, Arbeitskollegen, Helfer und Lehrerkreis – die mir geholfen haben wieder Hoffnung zu schöpfen sowie Fuss zu fassen.

 

 

 

 

Immigrationswellen weltweit visualisiert auf einer Karte

Weltweit fliehen Menschen von einem Land ins andere aus verschiedenen Gruenden. Die Karten im Artikel zeigen aus welchen Laendern die meisten Menschen zwischen 2010 und 2015 geflohen sind und in welchen Laendern sie Schutz suchen. Jeder gelbe Punkt auf der Karte steht fuer 1,000 Menschen:

All the World’s Immigration Visualized in 1 Map